Astrologie der südlichen Hemisphäre – Wie sie der Astrologie der nördlichen Hemisphäre ähnelt

Astrologie in der südlichen Hemisphäre war schon immer ein Streitthema unter wissenschaftlichen Astrologen. Die westlichen und vedischen astrologischen Traditionen wurden in der nördlichen Hemisphäre entwickelt, und aus dieser Perspektive interpretieren wir die Bewegung der Planeten (grahas), Häuser (bhavas) und Zeichen (rashis). Astrologen haben die Bewegung der Planeten auf der Südhalbkugel größtenteils genauso interpretiert wie auf der Nordhalbkugel. Aber die meisten ernsthaft denkenden Menschen finden das unbefriedigend. Wie können wir dieselben Interpretationen anwenden, wenn zum selben Zeitpunkt eine Hemisphäre unter der Wintersonnenwende und die andere unter der Sommersonnenwende steht?

Durch die detaillierte Analyse von Planeten, Häusern und Zeichen können wir bestimmen, wie diese Konzepte auf die Horoskope der südlichen Hemisphäre angewendet werden sollten. Wir stellen fest, dass Planeten und Häuser fast genauso interpretiert werden können wie auf der Nordhalbkugel. Aber Zeichen (Rashis) müssen völlig neu definiert werden. Wir besprechen hier die Planeten und Häuser.

Die Planeten/Grahas üben auf der Südhalbkugel den gleichen Einfluss aus wie auf der Nordhalbkugel, mit Ausnahme der Mondknoten. Um die Knoten an beide Hemisphären anzupassen, müssen wir die Knoten als Auf- und Abstieg von den Polarregionen interpretieren, nicht speziell als Auf- und Abstieg vom Nordpol. Auf der Nordhalbkugel wird der Norden als Höhe, der Süden als Tiefe angesehen. Dieser Richtungssinn ist auf der Südhalbkugel umgekehrt.

In der westlichen Astrologie würden wir in der südlichen Hemisphäre den Nordknoten als Komfortzone oder zu überwindende Hindernisse interpretieren und den Südknoten als das, was wir im Leben erreichen müssen. Dies ist das Gegenteil der Interpretation der nördlichen Hemisphäre. In der vedischen Astrologie würde der Nordknoten in der südlichen Hemisphäre als Ketu interpretiert werden, das weltliche Unglück, das Erleuchtung bringt. Der Südknoten würde als Rahu interpretiert werden, die Quelle von Raserei und Sucht.

Die Bedeutung der Häuser/Bhavas bleibt gleich (1. = Selbst, 2. = Geld, 3. = Nachbarschaft… ). Die zeitliche Reihenfolge der Häuser bleibt gleich. Aber die räumliche Lage der Häuser ist umgekehrt. Sie sind ein Spiegelbild um die vertikale Achse. Wenn wir den Himmelsäquator und die Ekliptik von der südlichen Hemisphäre aus betrachten, sehen wir, dass der östliche Horizont (der Aszendent) zu unserer Rechten liegt, nicht zu unserer Linken. Die Zeichen/Ausschläge steigen auf oder überqueren den Aszendenten und bewegen sich gegen den Uhrzeigersinn, nicht im Uhrzeigersinn. In der westlichen und vedischen Astrologie wird den Häusern/Bhavas ihre Bedeutung nach ihrer zeitlichen Abfolge zugeordnet, der Reihenfolge, in der sie den östlichen Horizont überqueren. Diese Bedeutung wird in der südlichen Hemisphäre beibehalten. Die zeitliche Abfolge ist die gleiche wie im Norden. Aber die räumliche Abfolge ist ein Spiegelbild. Das erste Haus (bhava) befindet sich rechts unterhalb des Horizonts (nicht links). Das siebte Haus befindet sich links über dem Horizont (nicht rechts).

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